Langemarck - 10. November 1914

Der Mythos von Langemarck: die im Deutschen Reich und während des Nationalsozialismus betriebene Verklärung eines verlustreichen Gefechts, das während des Ersten Weltkriegs am 10. November 1914 in der Nähe des belgischen Ortes Langemark nördlich von Ypern stattfand.

Auf deutscher Seite wurden in dieser Schlacht hauptsächlich neu aufgestellte, vorwiegend aus bislang Ungedienten (wie Freiwilligen und Ersatzreservisten) zusammengesetzte Reservekorps eingesetzt. 2.000 dieser schlecht ausgebildeten und durch Kriegspropaganda zum "Heldentod" angestachelten Männer starben. Die Oberste Heeresleitung veröffentlichte einen Tag später einen Bericht, der von fast allen deutschen Zeitungen auf der ersten Seite abgedruckt wurde: Westlich Langemarck brachen junge Regimenter unter dem Gesange ‚Deutschland, Deutschland über alles‘ gegen die erste Linie der feindlichen Stellungen vor und nahmen sie. Etwa 2.000 Mann französischer Linieninfanterie wurden gefangengenommen und sechs Maschinengewehre erbeutet.“

(zitiert nach Wikipedia)

Kaiser Wilhelm über Langemarck

Die Jahre 1914/18 haben gezeigt, was aus dem deutschen Volke werden könnte, wenn es seine trefflichen Eigenschaften richtig entwickelte...die Helden von Langemarck, unzählige prächtige Gestalten aus allen Ständen in Not und Tod des langen Krieges zeigen, wessen der Deutsche fähig ist, wenn er das Philistertum beiseite wirft und sich mit der Begeisterung die sich bei ihm so selten rückhaltlos Bahn bricht, für eine große Sache einsetzt. Das deutsche Volk möge das Andenken an diese Verkörperungen seines besten Selbst nie vergessen und mit allen Kräften ihnen nachstreben, indem es den wahrhaft deutschen Geist unverlierbar in sich aufnimmt!

Kaiser Wilhelm II, 1922

Langemarck - Opfermythos in Weimar

„Der Tag von Langemarck wird in alle Zeiten ein Ehrentag der deutschen Jugend bleiben. […] Wohl fielen an ihm ganze Garben von der Blüte unserer Jugend […]; aber den Schmerz um die tapferen Toten überstrahlt doch der Stolz darauf, wie sie zu kämpfen und zu sterben verstanden.“

(Deutsche Tageszeitung, 11. November 1915)

Bemerkenswert ist, daß die 1926 erschienene Weltkriegslieder-Sammlung unter mehr als 700 Liedern und Gedichten nicht eines über Langemarck enthält. Ein Lied heisst "Der Tod von Ypern", stammt von 1914 und bezieht sich womöglich auf die Ereignisse.


Opfermythos im Dritten Reich

Am 9. November 1933 wurde gleichzeitig in mehreren Städten, darunter in Dresden, Bremen, Kassel und Darmstadt, das heroisierende Drama Jugend von Langemarck des Bonner Schriftstellers Heinrich Zerkaulen uraufgeführt. Die Begeisterung der Nationalsozialisten für diesen historischen Stoff kann man ansonsten daran ermessen, dass im Herbst 1933 noch zwei weitere Langemarck-Schauspiele (von Edgar Kahn und Max Geißler-Monato) ihre Premiere feierten. Viele Strassen und Plätze wurden nach den 2000 vermeintlichen Helden von Langemarck benannt.


Langemarck heute

Langemarckstraßen existieren heute noch in Bremen, ebenso in Augsburg, Bad Wildungen, Bedburg, Bergisch Gladbach (Langemarckweg), Bonn, Donauwörth, Dormagen (Langemarkstraße), Essen, Freiburg im Breisgau, Korbach, Lahr, Münster, Neuss, Oberhausen (Langemarkstraße), Prüm und Sankt Augustin. Ein Langemarckplatz existiert beispielsweise in Erlangen, ebenso in Koblenz, letzterer grenzt an die Langemarck-Kaserne, auch führt eine Langemarckstraße in Eschwege (Hessen) zu einer damaligen Panzerkaserne später vom BGS unterhalten. In Nordhorn gab es seit Ende der 1920-er Jahre einen Langemarckplatz, er wurde aber nach intensiver Diskussion in der Stadt durch die amerikanische Künstlerin Jenny Holzer komplett neu gestaltet und heißt seit 1995 Schwarzer Garten. Auch in Flandern gibt es mehrere Langemarkstraten. Einer der Merksprüche der Bundeswehr für das Alarmposten-Ablösegespräch ergibt „Langemark“. So wird diese unheilvolle Tradition fortgeführt und lebendig gehalten

(zitiert nach Wikipedia)


Hier entsteht ein Projekt von www.volksliederarchiv.de über den Mythos von Langemarck