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Die Schlacht von Langemarck: In seinem engagiert geschriebenen, auf einer umfassenden Kenntnis der Quellen beruhenden Darstellung zeigt der Autor das wahre, hässliche Gesicht dieser Schlacht. ... Diese durch Leichtfertigkeit, Inkompetenz und einen atemberaubenden Zynismus verursachte Katastrophe stilisierte man zum Heldenstück hoch.


Der Mythos von Langemarck

Legende und Wirklichkeit

Der Mythos von Langemarck : die im Deutschen Reich und während des Nationalsozialismus betriebene Verklärung eines verlustreichen Gefechts, das während des Ersten Weltkriegs am 10. November 1914 in der Nähe des belgischen Ortes Langemark nördlich von Ypern stattfand. Auf deutscher Seite wurden in dieser Schlacht hauptsächlich neu aufgestellte, vorwiegend aus bislang Ungedienten (wie Freiwilligen und Ersatzreservisten) zusammengesetzte Reservekorps eingesetzt. 2.000 dieser schlecht ausgebildeten und durch Kriegspropaganda zum "Heldentod" angestachelten Männer starben. Die oberste Heeresleitung "berichtete" einen Tag später: "Westlich Langemarck brachen junge Regimenter unter dem Gesange "Deutschland, Deutschland über alles" gegen die erste Linie der feindlichen Stellungen vor und nahmen sie..."





Was wirklich geschah:

Am Nachmittag wurden wir dann eingesetzt. So, weißt du, in der gewöhnlichen Art: Sturm, in dieser Richtung, los! Wir haben nicht gewußt, wer uns gegenüberlag und wo wir sind. Und gesehen haben wir nur leere Felder. Da haben wir uns hingeschmissen und haben haben geschossen, wie wir das so gelernt hatten: geradeaus! Vielleicht trifft´s einen. - Bis dahin hatte unsre Artillerie keinen Schuß abgegeben. Jetzt kam es von hinten vorgezischt und schlägt mit zwei Granaten dicht vor unsere Linie. Ich denke mir, jetzt werden sie das Feuer vorverlegen. Da kommen die nächsten Schüsse; dicht hinter die Linie. Verflucht! denke ich. Und gut haben sie geschossen! »He, Sie!" höre ich jemand brüllen. "Hinterrennen zur Artillerie! Sie schießt auf uns!"

Über den weichen Acker stolpert einer in Todesangst hinter. Schuß auf Schuß setzte unsere Artillerie in unsere Schützenlinie. "Spielmann!" brüllt die Stimme wieder. "Ist kein Spielmann da? Blasen! Daß sie merken, daß wir´s sind!" Ein paar Töne stockerten aus dem Hörn. Von vorn zirpten die feindlichen Kugeln. Von hinten stampfte unsere Artillerie. "Singt!" brüllt die Stimme "Singt Deutschland, Deutschland über alles!" Zwei, drei Stimmen sangen dünn. Dann wurden es mehr. Wir sangen doch um unser Leben! Aber wir lagen auf dem Bauch und - Fatsch-bumm! schlugen die Granaten ein. Da ging uns immer der Atem aus, wenn´s einschlug. Gebrüllt habe ich was ich konnte. Aber unsere Artillerie hatte nichts davon gehört. Die schoß und schoß. Die Verwundeten wimmerten. Da und dort tauchte der Gesang wieder auf, immer hoffnungsloser: Deutschland, Deutschland über alles. -

Seitdem habe ich das nie mehr mitgesungen! — und ein paar Tage später, - wir waren nur noch so wenig, daß unsere ganze Kompanie in einer Bauernstube lag, - da bringt einer einen Heeresbericht und liest vor: "Mit prachtvollem Schwung stürmten deutsche Freiwilligenregimenter unter dem Gesang von „Deutschland, Deutschland über alles!" - Wir haben ihn angesehen und haben es nicht geglaubt. Wir sind sogar wütend auf ihn gewesen. Bis wir es selbst gelesen haben. Keiner hat mehr davon gesprochen damals. Aber das hat in uns weitergefressen!" Ludwig Renn , in: Kurt Kläber: Der Krieg . Das erste Volksbuch vom großen Krieg , Berlin 1929 Der vollständige Text steht hier





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